Gedanken einer Essgestörten


Das Fress - Monsterchen stammt von der Seite picmonkey

Natürlich mache ich mir oft Gedanken, wie es überhaupt zu meinem hohen Übergewicht kommen konnte. Ich war immer hin und her gerissen zwischen dem was ich eigentlich wollte - nämlich abnehmen - und dem, was real existierte:

Tagesablauf Variante 1

Juhu! Ich hab erst heute Mittag Dienst! Erstmal schön ausschlafen. Was? Schon 11.00 Uhr? Hm ja und Hunger hätte ich ja auch langsam. Erstmal was kochen. Was hab ich denn noch da? Hm.. Pfannenkuchen klingt gut. Mit Marmelade. 

14.00 Uhr: So, in einer Stunde muss ich arbeiten, hätte jetzt aber noch Appetit auf was herzhaftes. Mach ich mir halt schnell noch n Brot mit Wurst. Oder 2. Vielleicht auch 3. Uff - jetzt zum arbeiten! 

21.30 Uhr Dienstende: Mein Magen knurrt wie verrückt. Eigentlich sollte ich ja jetzt nicht mehr so viel essen. Die Pfannenkuchen und die Brote und dann noch die kleine Süßigkeit dazwischen sind ja echt mehr als genug! Aber ich hab sooo Hunger! Ach komm egal, morgen wirds besser. Mach ich mir jetzt halt noch n paar Brote mit Käse. Und den einen Pfannenkuchen von heute Mittag eß ich jetzt gerade auch noch. Ist doch egal. Dann ist er weg.

Tagesablauf Variante 2

Heute hab ich frei, wie schön. Aber das Wetter ist doof. Und zudem hab ich irgendwie gar keine Lust irgendwas zu machen. Naja, muss erstmal einkaufen. Aufs frühstücken verzichte ich aber, will ja endlich abnehmen!! Nichts passt mir mehr und meine Füße sind auch immer angeschwollen. Ach ist das alles doof .. 

12:00: Die Kekse da drüben sehe ja eigentlich ganz gut aus. Nein - ich will abnehmen! Die nehm ich jetzt nicht mit und stattdessen leg ich mir jetzt ein paar Äpfel in den Wagen. So! Aber heut hab ich doch frei und will mich endlich entspannen. Ach komm, die Schokoriegel da drüben sind nicht so schlimm. Die kann ich mir ja auch einteilen und jeden Tag nur einen davon essen. Ja genau, so mach ich es !! Und die Kekse nehm ich jetzt auch noch mit, wäre ja schade um das schöne Sonderangebot.
13.00 Uhr: So, jetzt erstmal alles auspacken. Und dann mach ich mir n Salat. Boah - wenn der Hunger nicht so stark wäre, hmpf! Naja komm was solls, ess ich halt schnell n Schokoriegel und dann mach ich mir den Salat. Noch n Schokoriegel. Ist doch egal. Und noch einer, schmeckt halt so gut. Auf Salat schnibbeln hab ich jetzt aber auch keine Lust mehr. Den pack ich mir jetzt so aufs Brot - mit Wurst oder Käse. 16.00: Wieso hab ich denn jetzt schon wieder Appetit? Die ganze Zeit denke ich an die restlichen Schokoriegel und an die Kekse. Nein ich bleib stark. Ich werde es diesmal schaffen und abnehmen! 

20.00 Uhr: Nichts gemacht heute und nur rumgemammelt. Obwohl das Wetter am Nachmittag schöner geworden ist. Hätte ja auch mal rausgehen können. Mich bewegen. Was hab ich stattdessen gemacht? Nur fernsehen geschaut und gegessen. So ein Mist! Ich fühl mich so schlecht. Aber Morgen mach ich alles besser - da bin ich mir ganz sicher! Die Kekse und 2 restlichen Schokoriegel ess ich jetzt noch - dann komm ich morgen schon nicht in Versuchung ..

Tagesablauf Variante 3

10:00 So, der Frühdienst ist geschafft. Den restlichen Tag hab ich frei, juhu ! Heute Mittag treff ich mich mit meiner Freundin. Eigentlich hätte ich ja ein bisschen Hunger, aber ich esse jetzt mal nichts. Mal gucken, vielleicht später. 

20:00 Uhr: So, wieder daheim. War echt nett das Treffen. Aber mein Magen knurrt. HUNGER ! Ist ja auch irgendwie klar, den ganzen Tag nichts gegessen und nur Cappucino und Kaffee getrunken. Hm, was hab ich denn noch da? Brot, ein paar Trauben und tiefgefrorene Baguettes. Naja, mach ich mir halt eben die Baguettes. Brauch jetzt was warmes. Wenn mein Magen nicht so extrem knurren würde .. Oh man - dauert das lange bis die Teile fertig sind !! Ich mach mir jetzt n Brot. Und die Trauben ess ich auch noch, bis die Baguette Teile fertig sind .. 

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Das sind nur 3 von zig verschiedenen Tagesabläufen. Bei mir drehte sich ständig alles ums Essen! Auch wenn ich gerade nicht aß, das Thema war immer präsent. Durch die täglich Konfrontation mit meinem schwer übergewichtigen Körper, hatte ich immer das große Verlangen nach dem Gefühl endlich "so normal sein zu wollen wie andere".

Viele Erinnerungen kommen in mir hoch, wenn ich darüber nachdenke. Trotzdem finde ich es wichtig, die Dinge zu benennen, zu reflektieren und aufzuarbeiten. Wenn ich heute einkaufen gehe und ganz selbstverständlich frisches Gemüse, Obst, Salate, Tofuprodukte usw. in meinem Wagen landen, mache ich mir zwar schon meine Gedanken darüber. Aber sie sind positiv geprägt, einfach weil ich Freude an  meiner Ernährung gefunden habe und nicht mehr diesem Druck und negativen Gedanken ausgesetzt bin.

Und trotzdem bin ich nach wie vor noch nicht an meinem Ziel angelangt. Manchmal schleichen sich alte Verhaltensweisen und Gedankengänge wieder ein, dann zählt nur noch der Konsum, die Befriedigung von Bedürfnissen und die Nahrungsaufnahme. Aber ich befinde mich auf einem guten Weg. Das zeigt mir - neben der bisherigen Abnahme - vor allem, dass ich trotzdem am Ball bleibe, mich nicht aufgebe und an mich und meine Fähigkeiten glaube

Kommentare:

  1. Die Verhaltensweisen kommen mir bekannt vor,
    auch wenn ich nie übergewichtig war, ist Essen bei mir ein schwieriges Thema, mal esse ich viel zu viel, dann übertreibe ich es mit dem Sport und esse kaum was.

    Bin auch dabei daran zu arbeiten, aber es braucht so lange für die Umstellung bei mir, weil ich die alten Muster nicht loslassen kann.

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    1. Daran arbeiten ist doch schonmal super! Ich wünsch Dir alles Gute für Deinen Weg und Danke für Deine Rückmeldung! :)

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  2. Wenn man einmal weiß, wo die Probleme liegen, kann man wenigstens etwas daran ändern. Ich glaube, dieses "Mahlzeiten ausfallen lassen und gaaaaanz disipliniert sein" hat jede/r schonmal probiert. Funtioniert allerdings nicht.

    Ich hatte vor ein paar Jahren die Erkenntnis, dass mehr, regelmäßigere und vor allem GESÜNDERE Mahlzeiten fast automatisch zu weniger Gewicht und vor allem MEHR GESUNDHEIT führen. Dass man aber auch so alt werden muss, um so etwas zu erkennen... ^^

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    1. Zum Glück ist es nie zu spät, um Erfahrungen zu sammeln :)

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  3. Oh wie ich das kenne!!!
    Vor allem, das Wissen WAS Man eigentlich essen sollte und dürfte ist ja da, aber man KANN es aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen nicht umsetzen.

    Grüße

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    1. Andererseits: Wenn es - aufs Jahr gerechnet - halt ein paar Tage sind, an denen es nicht so prickelnd läuft, ist es wahrscheinlich immer noch besser wie früher. Man sollte alles ein bisschen gelassener sehen, dann werden die Anzahl der guten Tage sich automatisch erhöhen..

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  4. Kenn ich auch, irgendwie. Hab inzwischen rausgefunden, dass der beste Schritt der ist, bestimmte Sachen nicht mehr einzukaufen, denn wenn ein Glas Ernussmus crunchy rumsteht, wird das auch weg genascht . . .

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    1. Geht mir auch so Conni. Ich esse bestimmte Sachen zwischenzeitlich entweder nur noch außer Haus oder kaufe sie mir in kleinerer Dosierung - also zb nur ein Schokoriegel vom Kassenbereich und nicht die 5er Packung o.ä :)

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  5. Kenn' ich! Ich habe 35 Jahre geraucht, war ganz mager und seit ich aufgehört habe, bin ich Milka- und Haribo-Junkie.
    Drum ist seit heute Fasten angesagt.

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  6. was ich als konstante bei allen drei geschichten bemerke (die mir übrigens auch so passieren könnten): du hattest zwar leichten hunger, aber wegen dem abnehmwunsch nichts gegessen und dafür am ende die doppelte dröhnung. vllt ist ja auch die lösung einfach essen wenn man den hunger merkt, dann artet es später nicht so aus, weil gar kein starkes hungergefühl ("ich verhungere") entstehen kann

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    1. Typischer Jojo Effekt - man versucht alles runterzuschrauben, sich Dinge zu verbieten usw. um später davon ein viel zu viel zu konsumieren. Ich musste das aber auch erstmal alles erkennen und mir wirklich bewusst machen. Zwischenzeitlich esse ich regelmäßiger, ausgewogener und gesünder und es ist eher so, dass es mir - abgesehen vom Gewichtsverlust - einfach insgesamt betrachtet, auch besser damit geht :)

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  7. Ich kenne irgendwie alle 3 Tagesabläufe selber!
    Bin derzeit selber dabei meine Ernährung umzustellen.

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    1. Du hast in Deinem Blog geschrieben, dass Du dafür sorgst dass Dein Umfeld / Deine Wohnung aufgeräumt bleiben soll. Find ich super! Die Erfahrung habe ich auch schon gemacht - äußere Zufriedenheit schafft innere Zufriedenheit :) Ich wünsche Dir alles Gute und viel Erfolg für Dein Vorhaben!

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  8. Ich finde, dass ein großes Problem auch die tägliche Arbeit dasrtellt (gerade Schichtarbeit!)... Die "geregelten Mahlzeiten" können doch heutzutage nur die wenigsten wirklich aufnehmen. Bei mir ist es ähnlich wie beschrieben- zum Glück relativ selten- manchmal kommt man so "suchend" nach Hause und sagt sich sowas wie "Mensch, ich hatte ja noch nichts warmes, also koche ich nochmal um 20 Uhr abends und während der Topf vor sich hinköchelt esse ich schonmal dies und jenes, weil ich hab ja soeinen Hunger!"
    Zu Thommy: Fasten ist auch keine Lösung. Das hält man ne Zeit lang durch, aber dann kommt es ebenfalls zu Heißhunger-Attacken. Die Portionen kleiner gestalten, versuchen regelmäßig (frisch) zu essen und ausgewogen - von allem ein bisschen (wenn ich von allem ein bisschen schreibe, beziehe ich das auf von der veganen Küche von allem ein bisschen ;-) ), wenig Süßkram im Haus haben (wenig bis kein!).
    Naja, muss auch jeder selbst wissen und jeder weiß am Besten, wie er/sie das schaffen kann.
    Herzliche Grüße,
    mach weiter so Jessi (mit deinem Blog, deinen munteren Texten und dem ABNEHMEN).

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    1. Ich versuche zwischenzeitlich immer Mittags schon was warmes zu kochen und essen. Klar - das klappt nicht immer (je nach Arbeitszeiten, Lust und Laune und Hungergefühl). Aber es ist auf jeden Fall so, dass mir das schon sehr hilft und mir dann abends nach dem Dienst noch n Salat, Gemüse, Tofu, Rohkost o.ä reicht und ich mich - auf den Tag gesehen - zufrieden und wohl fühle. Vielen Dank für Deine liebe Rückmeldung Leonie :)

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  9. Wow, richtig interessant. Das zeigt auch, wie dieses "Ich darf jetzt nichts essen - ich will doch abnehmen" alles nur noch schlimmer macht. Und, dass das Hauptproblem halt oft nicht ist, dass man zu viel isst und "undiszipliniert" is(s)t, sondern dass man unregelmäßig und ungesund isst. Für einen ganzen Tag sind z.B. Baguettes, Trauben und Brot echt nicht viel.
    Toll, dass du es geschafft hast deine Ernährung so umzustellen, dass du regelmäßiger und gesünder isst! :)

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    1. Vielen Dank Schäfchen :) Ich denke ich hab zwischenzeitlich den Dreh heraus, mit dem ich mich auch wohl fühle. Wenn halt mal n Tag dabei ist an dem es nicht so läuft und ich in alte Gewohnheiten zurückfalle, hake ich ihn so schnell wie möglich ab und mach "normal" wieder weiter :)

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    2. Ich finde es total gut, dass du das abhakst. Das ist viel besser, als sich dann Vorwürfe zu machen. Kann ja immer mal passieren. Und jeder isst mal komisch, auch Leute ohne Essstörung.

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  10. Während ich heute Morgen darauf wartete, daß mein Mann fertig wird, habe ich einen Teil einer aufgenommenen Sendung geschaut: Für immer dick? Lief auf ZDF Neo, glaub ich. Man kann es noch in der ZDF-Mediathek finden. Sehr interessant, unbedingt schauen!

    Grüße
    Ute

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    1. Danke Bellana für die Rückmeldung. Die Doku habe ich schonmal gesehen, fand ich auch sehr interessant. Ein typisches Leben zwischen Erwartungen an sich selber / Erwartungen von außenstehenden und dem Jojo Effekt ..

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  11. Echt interessant geschrieben.

    Das "Für immer Dick" auf ZDF Neo kann ich auch sehr empfehlen. Hier gibts das Video: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1753424/Fuer-immer-dick%253F-#/beitrag/video/1753424/Fuer-immer-dick%3F-

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  12. Danke für diesen Post!!!
    Ja, ich kenne alle 3 Varianten und mir fallen auch noch zig andere ein! Vor allem abends noch anfangen zu kochen, weil man noch nichts warmes gegessen hat. Ich übe mich gerade darin Frühstück zu essen. Aber wenn man zu Hause ist und nichts tut, isst man dann doch wieder zu viel nebenbei.
    Und gar keine Süßigkeiten im Haus haben, geht leider nicht: ich kann meinem Herrn das ja nicht vorenthalten. Und ich glaub, er nimmt'n Kilo ab, wenn er ne Tafel Schoki isst. Oo

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    1. Oh wie ich das kenne *lach* Mein Freund kann sich übers Wochenende ne 1500 Gramm Tafel Schokolade o.ä reinziehen und nimmt nicht zu! Gemeinheit ! *lach* Gestern habe ich beim einkaufen gemerkt, wie wählerisch ich bei Süßigkeiten geworden bin. Früher wäre alles mögliche im Wagen gelandet, heute ist mir das meiste nicht "hochwertig" genug. Wenn ich schon was süßes esse, dann aber was richtig geiles *grins*

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  13. hey (:
    Das was du dort beschreibst kenn ich, sogar noch viel schlimmer.
    Denn ich hatte / habe Anorexie mit Bulimiephasen. Eigentlich könnte man es auch als Binge-Eating beschreiben, wenn ich es nicht durch Sport und etc. ausgeglichen hätte. Typisch: Fressattacken mit bis zu 7000kcal (!!) am Tag - da kanns ja 24h nur ums Essen gehen. Und Hungerphasen mit 3-4h Sport täglich!
    Nunja, ich würde jeden der auch nur annähernd anfängt aus Frust / Emotionalen Gründen etc. (eben nicht aus nur Hunger / langeweile Appetit) isst, empfehlen extrem aufzupassen.
    Da es bei mir letzendlich bei knapp 40kg auf 160cm in einer Klinik änderte.
    Es geht mir besser aber die Gedanken hören leider nie auf. Scheint mir jedenfalls so.. ABER seit ich VEGAN ess' sind die Fressattaken weg und mir geht es besser !! (: Ein hoch auf die gesündeste, tierfreundlichste Ernährung!

    Ich hoffe, das alle die deinen Eintrag lesen, aufwachen und frühzeitig erkennen, dass ihr Essverhalten ins gefährliche rutscht. Denn irgendwand wird Normalität zum wahren Wahnsinn! Und jeder, der das frühzeitig erkennt ist schlauer als ich es war. Denn Fakt ist - man muss kein extremes Über/Untergewicht haben um essgestört zu sein.
    Das vergessen viele...

    Liebste Grüße und dir weiterin Erfolg ♥

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